Augen auf! Gefahr auf Schulwegen

Experten geben Tipps zum richtigen Verkehrsverhalten zum Schulstart
  • „Elterntaxis“ schaden eher als sie helfen. Foto: tom

Die Sommerferien sind vorbei und die Schüler müssen wieder in die Schule. Doch dieser Schulweg kann nicht nur für Erstklässler manchmal gefährlich sein. Im Ostalbkreis kam es letztes Jahr dabei zu rund 20 Unfällen – drei davon mit schwerverletzen Kindern. Die Polizei gibt daher die passenden Tipps, wie sich Schüler, Eltern und andere Verkehrsteilnehmer rund um die Schulen und Wege zu verhalten haben.

Ostalbkreis. Jeder Sommer geht zu Ende und das bedeutet dann, dass die Schule wieder losgeht. Der ein oder andere Neuling mag seinen Schulweg schon einmal abgelaufen sein und für die älteren Schüler ist er eigentlich schon Routine. Dennoch gilt für alle: erhöhte Aufmerksamkeit auf dem Schulweg. Kinder sind mithin die schwächsten Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr. Wegen der Haftungsprivilegierung von unter Zehnjährigen müssen Autofahrer also stets damit rechnen, dass Kinder sich im Straßenverkehr nicht regelkonform verhalten. Ein Kind sehen, heißt vorsichtig fahren, beide Straßenseiten im Auge behalten und jederzeit bremsbereit sein. Dies gilt in besonderem Maße in verkehrsberuhigten Zonen sowie vor Kindergärten und Schulen, so die Versicherung HUK Coburg.

Schwerwiegende Folgen

Während die Erwachsenen meist in Autos oder LKWs sitzen, sind die Kinder überwiegend als Fußgänger oder Radfahrer unterwegs. Das bedeutet auch, dass ein Unfall für sie wesentlich schwerwiegendere Folgen haben kann, als für einen Autofahrer oder eine Autofahrerin. Das Polizeipräsidium Aalen betont deshalb auch deutlich, wo und bei wem vor allem die Verantwortung liegt: „Dabei haben wir Erwachsene es auch mit in der Hand, ob unsere Kinder gesund und wohlbehalten in der Schule und am Nachmittag dann wieder zu Hause ankommen. Wir kennen doch unseren Weg zur Arbeit. Wir wissen, dass auf unserem Weg eine Schule liegt. Wir sehen ja die Kinder jeden Morgen an der Bushaltestelle, auf dem Weg zur Schule.“ Die richtigen Prioritäten sollen bewusst sein, wie die Beamten erläutern: „So dringend ist unser Termin nicht, dass wir dafür das Risiko ein Kind anzufahren in Kauf nehmen müssen. Auch der Anruf oder die Nachricht auf dem Handy können bestimmt noch 10 Minuten warten.“

Problem Elterntaxis

Die Verkehrsexperten von der Polizei geben zu bedenken: „Auch wenn wir selbst unsere Kinder im Auto haben und diese damit relativ geschützt sind, sollten wir dennoch auch auf die Schulkameradinnen und -kameraden unserer Kinder achten. Und ja, Elterntaxis tragen erheblich dazu dabei, dass sich das Risiko, auf dem Schulweg im Straßenverkehr verletzt zu werden, für Kinder erhöht.“

Für problematisch halten die Beamten auch die Parksituation durch die vielen „Elterntaxis“ bei Schulschluss, wenn die Kinder von ihren Eltern abgeholt werden: „Der oft unkontrollierte Parkverkehr vor Schulen, Wendemanöver und die Tatsache, dass sich Kinder zwischen Autos bewegen, gefährdet dabei unsere Liebsten. Dazu kommt, dass wir unseren Kindern die Möglichkeit nehmen, richtiges Verhalten im Straßenverkehr zu erlernen, zu üben und die Unwägbarkeiten des täglichen Gangs zu verinnerlichen.“

Die Polizisten führen weiter aus: „Und gerade weil Elterntaxis sich weiterhin großer Beliebtheit erfreuen, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass der Schulweg unserer Kinder doch relativ sicher ist. Der irrige Glaube, die Schulkinder würden am sichersten im eigenen Auto zur Schule gelangen, trägt gerade zur Erhöhung der Gefahr bei.“

Die Polizei wird auch dieses Jahr wieder den Kampf gegen die Verkehrssünder rund um die Schulwege aufnehmen. Auch im Jahr 2018 führt die Polizei in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und den Großen Kreisstädten verstärkt Verkehrskontrollen im Umfeld von Kindergärten und Schulen durch. Ziel ist es, die Alltagsroutine zu durchbrechen und den Verkehrsteilnehmern die bestehenden Verkehrsregeln in Erinnerung zu rufen. Dies bedeutet auch, die Verkehrsteilnehmer entsprechend zu belehren und zu sanktionieren, wenn sie gegen diese Verkehrsregeln verstoßen, berichtet die Polizei.

Besondere Schwerpunkte bei den Kontrollen sind:

Überwachung der Gurtanlege- und Kindersicherungspflicht, -Geschwindigkeitskontrollen, insbesondere an Stellen mit erhöhten Unfallgefahren für Kinder und Jugendliche und im Bereich der Schulwege, -Verhalten der Kraftfahrer gegenüber öffentlichen Verkehrsmitteln, Schulbussen, an Bushaltestellen sowie Fußgängerfurten und Fußgängerüberwegen, -Ahndung von Verstößen gegen Park- oder Haltverbote und die Nutzung von Mobiltelefonen im engen

Umfeld von Schulen, Kindergärten oder geschützten Überwegen, -Überprüfung der technischen Sicherheit der von Schülerinnen und

Schülern genutzten öffentlichen Verkehrsmitteln im Straßenverkehr, -Überwachung des Schülerverhaltens auf den Schulwegen und Radschulwegen. Die Nutzung eines Radhelmes sollte ausdrücklich empfohlen werden.

Üben und Vorbild sein

Vor allem die Eltern sollen die Schulwege mit den Neulingen üben und auch selbst ein Vorbild sein. Wobei die Polizisten betonen: „Mit dem Fahrrad sollten die Schüler erst zur Schule fahren, wenn sie die Radfahrausbildung absolviert haben.“

Zusätzlich zu den Kontrollen auf den Straßen gibt es zahlreiche Projekte zur Verkehrssicherheit. In vielen Schulen hat die Polizei Vorträge gehalten und wird wie immer das Jahr über mit den ABC-Schützen das richtige Verhalten im Straßenverkehr im Rahmen des Schulwegtrainings einüben. Das erfolgreiche Improvisationstheater „Das kleine Zebra“ freut sich auch in diesem Schuljahr schon wieder auf spannende und lustige Begegnungen mit den Kindern.

tw/pm

© WochenPost 11.09.2018 16:02
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