Go-Ahead statt Deutsche Bahn

Privatisierung des Nahverkehrs bringt einige Veränderungen
  • An den Automaten, wie im Gmünder Bahnhof, soll es auch nach dem Betreiberwechsel im Juni 2019 weiterhin Fahrkarten für den Regionalverkehr und für den Fernverkehr geben. Foto: Tom

Die Verkehrsgesellschaft Go-Ahead übernimmt ab Juni 2019 den Regionalverkehr zwischen Stuttgart, Bad Cannstatt und Aalen. Der Fernverkehr bleibt Aufgabe der Deutschen Bahn (DB). Sprecher von DB und Go-Ahead, erklären was sich für Bahnfahrer ändert.


Ostalbkreis.
Die größte Änderung betrifft die Kundenbetreuung in den Bahnhöfen. Die DB werde ihr Reisezentrum im Gmünder Bahnhof im Juni 2019 schließen, sagt ein Bahnsprecher auf Nachfrage. Fahrgäste können Fahrkarten für den Fernverkehr dann nur am Automaten oder online kaufen.

Dafür wird Go-Ahead „In Gmünd eine personenbediente Verkaufsstelle einrichten“, sagt Erik Bethkenhagen, Leiter der Kommunikation bei Go-Ahead. Der genaue Ort sei noch im Gespräch. Ebenso ob die bisherigen Mitarbeiter des DB-Reisezentrums übernommen werden.

Am Aalener Bahnhof sieht die Sache anders aus. Das DB-Reisezentrum bleibt dort bestehen, bestätigt ein Bahnsprecher. Go-Ahead will noch vor Juni 2019 ein „eigenes Kundencenter mit Verkaufsstelle am Hauptbahnhof Aalen einrichten“, informiert Bethkenhagen. „Vom Bahnhofsvorplatz aus gesehen, werden wir uns links neben dem DB-Empfangsgebäude in einem Anbau ansiedeln.“ Momentan gibt es bei dem Privatunternehmen Überlegungen dort auch eine Bäckerei einzurichten. „Auf alle Fälle ist Aalen ein wichtiger Standort für uns. Die Stadt wird neben Stuttgart unser größter Standort“, betont Bethkenhagen.

Die Fernverkehr-Tickets:
Wo bekommen Kunden, die etwa von Schwäbisch Gmünd über Stuttgart nach Hamburg reisen und dabei den Regional- wie auch den Fernverkehr nutzen, ab Juni 2019 ihre Fahrkarten? Verkaufen Go-Ahead-Mitarbeiter die Tickets der DB für den Fernverkehr mit? Das prüfe Go-Ahead derzeit, berichtet Bethkenhagen. Doch „laut Verkehrsvertrag sind wir nicht dazu verpflichtet“. Derzeit laufen Verhandlungen mit der Bahn, ob ein derartiges Angebot realisierbar ist.

Die Automaten: Die Fahrkartenautomaten an der Remsbahn werden vom DB Vertrieb im Auftrag von Go-Ahead weiter betrieben. An den Automaten wird es sowohl Nahverkehrstickets von Go-Ahead als auch Fernverkehrstickets der Bahn geben. Die Menüführung soll sich leicht ändern.

Die Preise: Die Fahrkartenpreise legen die Verbünde fest, sagt Bethkenhagen. Der Betreiberwechsel habe darauf keinen Einfluss.

Der Fahrplan: Für Pendler soll es laut Bethkenhagen einige Verbesserungen geben. Montags bis samstags soll die Regionalbahn ab Juni 2019 im Remstal jede halbe Stunde fahren, sonntags stündlich. Der Interregio-Express (IRE) nach Karlsruhe fahre dann alle zwei Stunden, kündigt er eine neue Verbindung zusätzlich zum bisherigen Intercity (IC) an. Der IC fahre alle zwei Stunden und um eine Stunde versetzt ab Juni 2019 alle zwei Stunden der IRE.

Wie steht es für Nachtschwärmer, denen aktuell der letzte Zug um 0.35 Uhr ab dem Stuttgarter Hauptbahnhof nach Schwäbisch Gmünd zu früh fährt? „Wir fahren voraussichtlich bis circa 2 Uhr nachts und dann wieder ab etwa 4.30 Uhr“, kündigt der Go-Ahead-Sprecher an. Die genauen Fahrpläne werden noch abgestimmt.

Kombitickets: Was erwartet Pendler, die aktuell mit DB-Jobtickets unterwegs sind? Derzeit können sie dieses Ticket im Regional-, im Fernverkehr und beim Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) nutzen. Go-Ahead werde „alle bisher geltenden Tarife und Kombinationen wie im Verkehrsvertrag vorgesehen anerkennen“, erklärt Bethkenhagen und fügt hinzu: Insbesondere den neuen „BW Tarif“, der ab Dezember 2018 das Fahren auch über die Verbundgrenzen vereinfachen wird. In den DB-Fernverkehrstickets sei die Benutzung von Anschlusszügen des Nahverkehrs enthalten – also hin zum und weg vom IC und ICE. Das gilt auch auf der Remsbahn nach Juni 2019. An den Nahverkehrstickets ändert sich nichts. „Wir werden Mitglied im VVS werden wie in den anderen zehn Verbünden, durch die wir fahren“, sagt Bethkenhagen.

Go-Ahead befördert nach eigenen Angaben mit 26 000 Mitarbeitern und 5500 Verbindungen auf 2200 Kilometern Schienennetz ein Drittel der Bahnreisenden in Großbritannien. Die Übernahme von Teilen des Stuttgarter Netzes durch die deutsche Tochter der britischen Verkehrsgesellschaft markiert den Einstieg des Unternehmens in den deutschen Markt. sp/gt

© WochenPost 10.04.2018 16:06
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