Nähe zur Hochschule nicht billig

Für preiswerten Wohnraum müssen Studierende aufs Land
  • Die Nähe zur Hochschule ist meist teuer. Foto: sp

Die Preise für WG-Zimmer oder Appartements für Studierende liegen in der Region deutlich niedriger als in den großen Unistädten. Aber zum Wintersemester sind auch hier die Wohnmöglichkeiten rasch belegt. Und je näher die Wohnung an der Hochschule ist, desto teurer wird es.

Aalen/Schwäbisch Gmünd. Neun Quadratmeter, 600 Euro. In Unihochburgen wie München, Frankfurt oder Berlin sind solche Wohnungsangebote für Studierende kein Aufreger mehr. Selbst dafür gibt es Warteschlangen. Traumhaft, was Studierende in Aalen und Schwäbisch Gmünd in Sachen Wohnen erleben. „Bis jetzt sind alle untergekommen“, sagt Kristimir Krizaj vom Studierendenwerk Ulm.

Es betreibt unter anderem das Wohnheim in Schwäbisch Gmünd mit 278 Zimmern. Zu Beginn des Wintersemesters ist das Haus in Oberbettringen, wenige hundert Meter von der Pädagogischen Hochschule entfernt, voll belegt. „Im Sommersemester ist das häufig nicht der Fall“, sagt Krizaj. Oft schließen Studierende im Frühjahr ab, die meisten beginnen ihr Studium aber im Oktober.

Die Kosten in Schwäbisch Gmünd: sie betragen nur einen Bruchteil dessen, was in den großen Städten zu bezahlen ist. 214 Euro kostet ein Zimmer, gerade mal neun Euro mehr als im Vorjahr. „Das sind die Kosten für das WLAN, das jetzt im ganzen Haus zur Verfügung steht“, sagt der fürs Wohnen zuständige Fachmann im Studierendenwerk. Genutzt wird das Haus vor allem von Studierenden der Pädagogischen Hochschule. Nur zehn Prozent der Zimmer gehen in der Regel an junge Leute der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd.

Keine echte Wohnungsnot

Echte Wohnungsnot kennen auch die Studierenden in Aalen nicht. Dort gibt es zwar keine eigenen Wohnheime des Ulmer Studierendenwerks, aber der gemeinnützigen Stiftung Jugendwerk Aalen.

153 Zimmer in Zwölfer-WGs in der Rombacher Straße,

100 Zimmer in unterschiedlich großen WGs, auch zwei barrierefreie Räume, in der Anton-Huber-Straße,

21 Einzelzimmer in Siebener-WGs in der Leintalstraße in Dewangen,

66 Appartements und 18 Einzelzimmer in Unterrombach,

36 Einzelzimmer in Vierer-WGs,

19 Appartements und ein barrierefreies Appartement in der Wellandstraße.

eine Zweier- und eine Fünfer-WG in der Wellandstraße.

Wie viele der rund 4000 Studierenden in Schwäbisch Gmünd und 6000 in Aalen auf eine Wohnung angewiesen sind, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen. Ein Großteil kommt aus einem Umkreis von 50 Kilometern und pendelt deshalb. Für alle anderen heißt es, auch private Angebote auszuloten. Die machen den Löwenanteil an studentischem Wohnen aus. Auch da gibt es Hilfe. Heiko Buczinski von der Pressestelle der Hochschule Aalen: „Wir unterstützen Wohnungssuchende mit unserer Wohnbörse, die vor allem von den vielen Privatvermietern in und um Aalen gerne und regelmäßig befüllt wird.“

Bezahlbar bedeutet oft weit entfernt

Seit dem Wintersemester 2013/2014 vermittelt auch das Studierendenwerk Ulm zwischen Wohnungssuchenden der Hochschule Aalen und Vermietern. Sie können ihre Angebote kostenlos auf der Webseite des Studentenwerks einstellen. In Schwäbisch Gmünd engagiert sich auch die stadteigene Vereinigte Wohnungsbaugesellschaft (VGW) für Studierende. „Wir versuchen, bei neuen Bauprojekten einen Teil für studentisches Wohnen bereitzustellen“, sagt Geschäftsführer Celestino Piazza. So gibt es Mini-Appartements im Höferlesbach, gleich neben dem City-Center. Außerdem werden neue „Gamundia-Häuser“ gebaut, etwa am Kaffeebergweg, dem an die Innenstadt grenzenden Südhang. In jeder Etage des zweigeschossigen Gebäudes ist Platz für eine Zweier-WG. Sanierungen alter Wohnsubstanz bringt nach Worten Piazzas ebenfalls Wohnraum für Studierende. Das könnte in Schwäbisch Gmünd das Haus St. Katharina sein, durch die Nähe zur Hochschule für Gestaltung idealer Wohnort für diese Studierenden.

Wohnraum gibt es, aber nicht immer dort, wo sich Studierende das wünschen, sagt Michael Straßer von der Studierendenschaft der Hochschule Aalen. Das komme immer aufs Budget der jeweiligen Studierenden an. „Je weiter die Entfernung zur Hochschule, desto billiger ist das Wohnen.“ In unmittelbarer Nähe zu den Institutsgebäuden müsse man schon mit Durchschnittsmieten zwischen 300 und 400 Euro rechnen. Es gebe etwa auch private Wohnungsangebote in Treppach oder Wasseralfingen. Die dort kostengünstigere Miete sorge aber für zusätzliche Fahrtkosten und höheren Zeitaufwand.

Niemand muss auf der Straße stehen

„Unterm Strich muss niemand auf der Straße stehen“, das sagt auch Kristimir Krizaj vom Studierendenwerk Ulm. In der Stadt an der Donau komme es kurz vor Semesterbeginn oft zu Engpässen. „In Notfällen können wir Veranstaltungsräume nutzen, dort kurzfristig Betten, Tische und Stühle einräumen“, sagt Krizaj. Aktuell war das noch nicht notwendig. Weder in Ulm noch in Gmünd oder Aalen.

sp/gt

© WochenPost 06.11.2018 16:02
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