Wenns mal wieder länger dauert!

Stau am Virngrundtunnel bis Sommer 2020 – besser nicht umfahren
  • Die Sicherheitsstandarts müssen gegeben sein, damit im Unglücksfall entsprechend reagiert werden kann. Foto: rat

Seit Mai laufen die rund 12 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten am Virngrundtunnel auf der A 7. Das führt seit Wochen zum Verkehrschaos auf der Autobahn und auch auf den Umleitungen in den angrenzenden Gemeinden. Die Vertreter der Gemeinden fordern eine strenge Einhaltung der Bauzeiten und das Regierungspräsidium rät von der Umfahrung des Staus ab.


Ostalbkreis.
Es sind 470 Autobahnmeter, die zurzeit für tägliche Staumeldungen sorgen und die Gemeinden an den Umleitungsstrecken zur Verzweiflung bringen: Der Virngrundtunnel ist gesperrt – aktuell die östliche Röhre. Bis Sommer 2020 dauern die Arbeiten – eine gewaltige Geduldsprobe für die Region. Aber unumgänglich, betont Baudirektor Heiko Engelhard. Die Brandkatastrophen im Gotthard- und im Montblanc-Tunnel haben gezeigt wie wichtig der passende Sicherheitsstandart im Falle eines Unglücks ist.

Der Bund investiert in diese Maßnahme über zwölf Millionen Euro. Allerdings können die Sanierungsarbeiten nur unter Vollsperrung einer Tunnelröhre erfolgen, was zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen und Überlastungen auf den Bedarfsumleitungen führt. Auf den Umleitungen kommt es deshalb zu erheblicher Staubildung, Gefahrenzonen und Belästigung der Anwohner.

Dass die Dauer der Bauarbeiten nicht überschritten werden darf haben die Vertreter der anliegenden Gemeinden und die Politiker aus dem Ostalbkreis deutlich gemacht.

Strenge Einhaltung des Bauzeitenplans

Im Juni haben der Ellwanger Oberbürgermeister und die Bürgermeister aus Ellenberg und Jagstzell einen Brief an das Bundesverkehrsministerium in Sachen Virngrundtunnel geschickt.

Sie forderten eine „strengere Einhaltung des Bauzeitenplans“. Nun hat Staatssekretär Steffen Bilger geantwortet. Das teilen die Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier (SPD) und Roderich Kiesewetter (CDU), die sich in der Sache ebenfalls eingesetzt hatten, in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Bilger weist ihnen zufolge in seiner Antwort darauf hin, dass die Großmaßnahme als Baubetriebsform 4 (Arbeiten rund um die Uhr in 24 Stunden an sechs Tagen die Woche) ausgeschrieben war und dass der Auftragnehmer regelmäßig hingewiesen wird, die terminlichen Vorgaben aus dem Bauvertrag, insbesondere die Fertigstellung bis Mitte 2020, zwingend zu beachten.

Umfahrung lohnt nicht

Das Regierungspräsidium Stuttgart bittet alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer den betroffenen Autobahnabschnitt auf der A 7 am Virngrundtunnel nicht zu verlassen und weist gleichzeitig darauf hin, dass durch die etwa 40-minütige Umfahrung des Baustellenbereichs über Nebenstrecken keine Zeitersparnis entsteht. Durch die Staus wegen der einseitigen Tunnelsperrung auf der A7 bekommen nun auch die ansässigen Gemeinden mehr von den rund 40.000 Fahrzeugen, die dort täglich unterwegs sind. Dadurch verlagert sich der Verkehr nicht nur auf die ausgeschilderten Bedarfsumleitungen, sondern auch auf weitere nicht dafür ausgelegte Straßenzüge.

Problem für die Rettungskräfte

Für die Feuerwehren kommen Umfahrungen nicht in Frage, wenn der Unfall rund um den Tunnel passiert. Deshalb trafen sich auch Ende August die örtliche Feuerwehren am Tunnel. Die Feuerwehren Ellwangen, Ellenberg, Schwäbisch Hall, Crailsheim und Fichtenau hatten Vertreter entsandt, auch die Leitstelle Aalen, das Rote Kreuz und natürlich die Polizei. Die Autofahrer ärgern sich über den permanenten Stau, die Bewohner der Gemeinden, durch die die Ausweichstrecken führen, sind vom Durchgangsverkehr genervt, aber die Retter und Helfer müssen den Tunnel, die Strecke und die Baustelle aus dem Effeff kennen, wenn es dort zu einem Unfall kommt und schnelle Hilfe nötig ist. Das ist zurzeit nämlich ein Problem. Eine halbe Stunde kann es dauern bis sie die 470 Meter Tunnel durchquert haben um bei einem Unfall zu helfen – viel zu lange in einem echten Notfall.

Die Lösung besteht zum einen darin, dass bei Unglücksfällen vor oder nach dem Tunnel die Feuerwehren aller beider Landkreise alarmiert werden, auch wenn der Tunnel im Einzugsbereich der Ostalbwehren liegt. Schnelle Hilfe ist eben alles.

Dann existieren vor beiden Tunneleingängen in einigem Abstand asphaltierte Überquerungsmöglichkeiten für die Feuerwehren: Schnell ein paar Absperrungen beiseite geräumt, und schon können die Feuerwehr und andere Rettungsfahrzeuge von einer Seite auf die andere wechseln. Nördlich des Tunnels gibt es sogar eine Unterführung der Autobahn, die dies möglich macht. „Es geht darum, bei einem Schadensereignis die optimale Anfahrt zu finden“, erklärt Otto Feil Kreisbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehren im Ostalbkreis schlicht.

Trotzdem befahrbar für Feuerwehr

Hilfreich ist da, dass auch die Tunnelröhre, in der gerade gebaut wird, für Rettungsfahrzeuge befahrbar ist. Dort wird eine Gasse weitgehend freigehalten, respektive schnell freigemacht, wenn Feuerwehr oder Polizei angebraust kommen. Im Innern des Tunnels kann man zudem durch eine Verbindungstür von einer Röhre zur anderen wechseln - allerdings nur zu Fuß.

Die Rettungskräfte können dadurch also doch relativ rasch an einen Unglücksort gelangen.

tw/sp

© WochenPost 10.09.2019 17:31
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