Geht der Windkraft die Puste aus?

Wegfallen der EEG-Förderung macht Betreibern Sorgen
  • Die EEG-Förderung hat viele Anlage ermöglicht.Foto: opo

Der Ausbau stockt, der Rückbau droht. Was mit den alten Windrädern passiert, die demnächst aus der EEG-Förderung (Erneuerbare-Energien-Gesetz) fallen.


Ostalbkreis.
Flaute in Sachen Windkraft. Seit 2018 ist der Ausbau auf der Ostalb praktisch zum Erliegen gekommen. Nur der Windpark Büttenbuch bei Eschach wurde um eine vierte Anlage erweitert.

Damit nicht genug. Wenn Ende 2020 die ersten Anlagen aus der EEG-Förderung fallen, droht sogar ein Rückbau. Denn wenn der Windstrom nur noch zum Börsenpreis gehandelt wird, ist der Weiterbetrieb älterer Anlagen mit geringerer Leistung kaum noch wirtschaftlich.

Wie soll da die Energiewende gelingen? Das fragt sich Karl Maier schon lange. Also hat der Unterkochener bereits im März einen Fragenkatalog ans baden-württembergische Umweltministerium geschickt – im Namen der SPD-Fraktion im Regionalverband Ostwürttemberg. Maier fürchtet, dass ein Großteil der Anlagenbetreiber einfach die Windräder stillegt, wenn die Förderung nach 20 Jahren ausläuft.

Die Antwort aus Stuttgart ist ernüchternd. Ende 2018 waren im Land 720 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 1534 Megawatt in Betrieb. Bis Ende 2029 erhalten rund 350 keine Förderung mehr. Die derzeit installierte Leistung könnte sich um 450 Megawatt reduzieren – ein knappes Drittel.

Deutschlandweit dasselbe Bild. Laut überregionaler Medienberichte etwa der Welt läuft Ende 2020 bei 6000 Windrädern die Förderung aus. Bis zum Jahr 2026 sind es sogar 14.000. Deren Leistung entspricht rund 17.000 Megawatt – gut ein Drittel der heute installierten Windkraft. All diese Windräder müssen sich ohne Subvention am Strommarkt behaupten. Andernfalls droht ihnen der Abriss.

Was tun? Steigende Strompreise könnten viele Windräder retten. Aber Prognosen dazu seien mit Unsicherheiten behaftet, schreibt das Umweltministerium. Was bleibt also noch?

Erste Anlage im Kreis

Der Unternehmer Roland Haase aus Dewangen hat 1998 das erste vom Land geförderte Windrad auf der Ostalb errichtet. 2020 fällt das Windrad, das 110 Kilowatt leistet aus der Förderung. Haase weiß: Bei der nächsten größeren Reparatur ist es vorbei. „Dann wird nichts anderes übrig bleiben als der Abbau.“

Rund 20 Prozent des Stroms kann er selbst nutzen, zum Beispiel für die Elektroautos seiner Mitarbeiter. Wenn er für den Rest, wie er sagt, ein bisschen etwas kriegen würde, könnte er die Anlage weiterbetreiben. Vier Cent pro Kilowattstunde müssten es schon sein. Geld verdient ist damit natürlich nicht, aber das war nie Haases Motiv. „Wir betreiben die Anlage mehr oder weniger hobbymäßig.“

Bei größeren Anlagen spielt der Eigenverbrauch keine Rolle mehr. Das gilt schon für das Windrad, das Erwin Schweizer am 28. November 2000 in Bopfingen-Unterriffingen in Betrieb genommen hat. Es leistet 600 Kilowatt mit einer Nabenhöhe von 78 Metern. Was für Haase gilt, gilt für Schweizer erst recht: Er ist ein Windkraftpionier.

Schweizer hat an der ersten Anlage 19 Familien beteiligt. Und an der zweiten, die im Oktober 2003 ans Netz ging, weitere 24. Zwei Drittel sind aus Unter- und Oberiffingen. Nur so, davon ist er bis heute überzeugt, könne man es machen. „Die Energiewende lebt von der Akzeptanz.“

Direktvermarktung wäre dabei eine Option für die Windkraft. Das geforderte Standsicherheitsgutachten hat er eingeholt. Doch Schweizer setzt lieber auf Agrothermie – also auf Wärme aus dem Acker. Das sogenannte Repowering ist für Schweizer keine Alternative. Die Idee, ältere Windräder durch neue und leistungsstärkere zu ersetzen, scheitert vielfach an geänderten Vorschriften. Franz Uhl hat sich noch keine Gedanken gemacht, was er mit dem Einzelwindrad bei Ellenberg anstellt. Uhl hat auch ein Jahr mehr Zeit, denn seine Anlage ist im Frühjahr 2001 ans Netz gegangen. Die Förderung läuft somit Ende 2021 aus. Das Windrad ist das dritte EEG-geförderte im Ostalbkreis und das erste mit einem Megawatt Leistung.

Aktuell wird Windstrom mit 8 bis 9 Cent vergütet. Der Börsenpreis liegt bei etwa 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Erwin Schweizer meint: Um Altanlagen weiterbetreiben zu können, müssten 5,5 bis 6 Cent bezahlt werden. Schließlich müsse man auch Geld zurücklegen – für Pacht, Wartung, Reparaturen, Steuerberater und so weiter.

Ehrliche Rechnung

Sind sechs Cent zu viel? Ist die Energiewende zu teuer? An dem Punkt setzt Franz Uhl an. Der Chef der Ellwanger Firma Uhl Windkraft fordert eine „ehrliche Rechnung“. Worauf er hinaus will, liegt auf der Hand: Der Börsenpreis enthalte keine Folgekosten. Zum Beispiel für die Entsorgung atomarer Abfälle oder für den CO2-Ausstoß der Kohlekraftwerke. Die Kosten würden sozialisiert, sagt er. „Das zahlt jedermann über die Steuern.“ Für Uhl steht fest: Wenn man ehrlich rechnet, sind die Erneuerbaren billiger – trotz EEG-Umlage.

Dass zuletzt so wenig passiert ist, findet Uhl übrigens gar nicht so schlimm. An den starken Ausbau zwischen 2014 und 2017 müsse der Bürger sich erst einmal gewöhnen. Zugleich meint er, dass die Windkraft viel mehr und viel schneller ausgebaut werden müsse. Uhl ist überzeugt: „Die Bürger wollen die Energiewende. Aber sie wollen es erklärt bekommen. Und sie wollen mit Fakten versorgt werden.“ Uhl selbst plant auf der Ostalb aktuell zwei neue Anlagen für den Windpark Freihof bei Stödtlen.

Im Landratsamt ist momentan aber nur ein Genehmigungsverfahren anhängig – für drei Windenergieanlagen im Windpark Bopfingen zwischen Aufhausen und Waldhausen. Aber dieses Verfahren ruht seit Mai 2018 auf Wunsch des Antragstellers, wie es heißt. Erwin Schweizer kennt den Grund: die Luftsicherheit wegen des nahen Segelflugplatzes. Er muss es wissen, möchte er doch dort oben auf dem Härtsfeld ein weiteres Bürgerwindrad errichten. Die ENBW plant die zwei anderen Anlagen. sp/gt

© WochenPost 09.10.2019 08:41
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