Richtig Ostalb-Schwein gehabt!

Teil 1: Wege eines Ferkels von der Zeugung bis zur Geburt
  • Tierisch was los bei den Schweinen. Foto: gek

Wo kommt das Fleisch denn her? Den Weg vom Ferkel zum Schweinebraten zeigt die Schwäbische Post und Tagespost in ihrer Serie „Das Leben eines Ostalbschweins“. Im ersten Teil geht es von der Zeugung zur Geburt der Ferkel.

Ostalbkreis.Schweinelende, Schnitzel und Bratwürste gehören zu den beliebtesten Fleischgerichten in Deutschland. Eigentlich müssten die Landwirte, die für das nötige Schweinefleisch sorgen, in der Beliebtheitsskala die obersten Ränge belegen.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Schweinezüchter und -mäster fühlen sich von Tierschützern diffamiert und von einer agrarfeindlichen Öffentlichkeit an den Pranger gestellt. „Massentierhaltung“, „Tierquälerei“, „Umweltschäden“ lauten Vorwürfe, die oft pauschal erhoben werden. Doch wie sieht es in den Schweineställen aus? Wie lebt ein Schwein, dessen Fleisch mit Genuss verzehrt wird?

Die Schwäbische Post und GT haben den Weg eines Ostalbferkels mit verfolgt: Kastration, Impfung, Antibiotika, Schwanz kupieren, Stallwechsel, Tiertransport, Schlachtung – alle wichtigen Etappen wurden erfasst.

Diese Serie soll aber auch dem Verbraucher den Spiegel vorhalten, weil er preiswertes Schweinefleisch haben will und dabei ausblendet, dass dies nicht mit einer Tierhaltung nach Bilderbuchzeichnungen machbar ist. Günstiges Fleisch gibt es nur, wenn Haltung und Mast effizient und auf die Ansprüche der nachgelagerten Produktion abgestimmt sind.

Aus diesen Gründen sind die einzelnen Lebensstationen der Schweine auch meist in genau auf diese Phase spezialisierten Betrieben untergebracht. Von der Besamung bis zum Schlachttermin vergehen ungefähr 345 Tage.

Tobias Schirrles Betrieb

In Schönbronn bei Wört hält der 29-jährige Tobias Schirrle 280 Muttersauen mit Nachzucht. Er kauft keine Tiere von außen zu, nur das Sperma, mit dem die Sauen besamt werden. Die Ferkel verkauft er mit 30 Kilogramm, 80 Tage nach der Geburt.

Die Ferkel sind sein Geschäft, sein ganzes Wirtschaften ist darauf ausgerichtet, dass möglichst viele 80 Tage alt werden und 30 Kilo wiegen. Die Zahl der abgesetzten Ferkel pro Sau pro Jahr, das ist die Kennziffer, die den Erfolg eines Schweinezüchters markiert. Bei Tobias Schirrle heißt sie 28. Die Mutter vom Ostalbferkel, dessen Weg wir verfolgen, hat keinen Namen, sondern eine Nummer: 199. Sie wurde am 2. November 2016 geboren und hatte bislang vier Würfe, im Schnitt 15 lebend geborene und 12,5 abgesetzte, das heißt verkaufte Ferkel.

Sie ist ein gutes Schwein der

Rasse Deutsches Landschwein (DL) und lebt in einer Gruppe mit elf anderen Muttersauen, normalerweise in einem Laufstall.

„Balder“ steht auf dem Etikett der Samenpackung. Der Vater unseres Schweines ist ein Tier der Rasse „Pietrain“ (Pit). Sein Sperma wurde ihm in Herbertingen oder im Abstetter Hof abgezapft, Eberstationen der Besamungsunion Schwein (BUS). Die Ware ist geprüft, jede Portion enthält 1,8 Milliarden befruchtungsfähige Spermien.

Alle Muttersauen, die Tobias

Schirrle für seine Schweinezucht nutzt, sind auch bei ihm geboren. In dem geschlossenen Genpool, der nur durch das Sperma ausgewählter Zuchteber aufgefrischt wird, einen wesentlichen Erfolgsfaktor. Die Kreuzung seiner Rasse mit der anderen Rasse, „DL X Pit“ ist sein Erfolgsrezept. In der Fleischqualität sind diese Tiere den dänischen Schweinen, die den Großteil der Tiere für den Schweinefleischmarkt ausmachen, überlegen.

Drei Wochen nach der Besamung geht Tobias Schirrle mit dem tragbaren Ultraschallgerät in den Stall und prüft ob seine Tiere trächtig sind. Wenn die Besamung bei einer Sau nicht geklappt hat, bedeutet dies finanzielle Verluste für den Züchter. „Im Durchschnitt verlieren in den 17 Gruppen mit je 40 Sauen, noch etwa 15 Tiere ihre Frucht“, schätzt er, vor allem wegen Rangkämpfen.

Seit Januar bekommen die Schweine von Schirrle nur noch Futter, das nicht genetisch verändert wurde. Die Initiative dazu ging vom Metzger seines Aufzüchters aus, der dem Verlangen der Verbraucher gerecht werden will. Einiges von dem Futter wächst auch auf eigenen Feldern. Mais und Getreide werden als Futter auf den Äckern abwechselnd angebaut.

Die Schweine selbst werden in Gruppen gehalten. Das ist Pflicht aus Gründen des Tierschutzes. Mindestens 2,25 Quadratmeter pro Tier und mindestens sechs pro Gruppe sind Vorschrift. Bis 2013 standen die Zuchtsauen allein im Kastenstand.

Laut Gesetz ist der Landwirt verpflichtet, die Tiere zweimal am Tag zu sehen. Eine rein automatische Produktion ist nicht erlaubt und wäre auch nicht sinnvoll. „Das menschliche Auge ist noch nicht zu ersetzen“, sagt Schirrle.

Manche Säue haben ihre Ration in ein paar Minuten gefressen und gehen sofort zum nächsten Platz, wo sie versuchen, eine andere Sau zu verdrängen. Ein Verhalten, das nur mit teurer Chip-Technik zu verhindern wäre.

Geburt der Ferkel

Wenn die Zeit für die Geburt der Ferkel gekommen ist, wird das Tier in den Abferkelstand gebracht. Platz hat es lediglich zum Aufstehen und Liegen. Stahlrohre hindern sie daran, sich umzudrehen. Der Stall ist so gebaut, damit die Ferkel Platz zum Ausweichen haben. Der Geburtsvorgang zieht sich über mehrere Stunden. Tobias Schirrle ist präsent, wenn eine Gruppe abferkelt. Dann verbringt er fast Tag und Nacht im Stall und schaut nach dem Rechten. Dann nimmt er so ein kleines Ding in die Hand, befreit den Rachen vom Schleim, legt es unter das Rotlicht, zeigt ihm eine Zitze.

Schirrle sortiert die Ferkel:

kleine zu kleinen, große zu großen, weil die Kleinen von den großen Brüdern und Schwestern gnadenlos abgedrängt werden und verkümmern. Die Spitzen der Eckzähne der Ferkel werden abgeschliffen, um die Muttertiere beim Säugen zu schützen – eine von vielen Arbeiten rund um die Tiere.

Im zweiten Teil erfahren Sie den weiteren Weg des Ostalbschweins.

© WochenPost 05.11.2019 16:55
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