Warum man Insekten zählen sollte

Bestandsaufnahme: Kostenlose App erfasst die Sechsbeiner
  • Insektenzählung im Garten mit Lupe und Notizblock. Die Ergebnisse können Online oder per App dem NABU mitgeteilt werden. Foto: Nabu/Michael Sieber

Insekten sind für eine gesunde Natur unverzichtbar. Doch der Lebensraum der kleinen Krabbler wird immer mehr dezimiert und auch invasive Arten bedrohen den Bestand der heimischen Insekten. Beim NABU-Insektensommer können Sie mithelfen zu erfassen, wie es mit dem Bestand von Marienkäfer und Co. aussieht.

Ostalbkreis. Sechs Beine, roter Panzer, schwarze Punkte: Beim NABU-Insektensommer spielt der Marienkäfer in diesem Jahr eine besondere Rolle. Die Mitmachaktion findet vom 29. Mai bis 7. Juni und vom 31. Juli bis 9. August deutschlandweit statt. Jeder kennt das beliebte Glückssymbol, von dem es in Deutschland gleich 70 verschiedene Arten gibt. Am häufigsten sind der heimische Siebenpunktmarienkäfer und der Asiatische Marienkäfer, der erst vor wenigen Jahren vom Menschen eingeschleppt wurde. Wie weit sich die invasive Art bereits verbreitet hat, soll nun der Insektensommer zeigen.

NABU-App – Jeder kann mithelfen

Beobachten und zählen kann jeder und das fast überall: Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich, Bach oder Fluss. Das Beobachtungsgebiet soll nicht größer sein als etwa zehn Meter in jede Richtung vom eigenen Standpunkt aus. Gezählt wird eine Stunde lang. Gemeldet werden die Beobachtungen online unter www.insektensommer.de oder mit der kostenlosen App NABU Insektenwelt. Nicht nur Marienkäfer, jeder Sechsbeiner, soll dem NABU gemeldet werden. Auf einige, hierzulande häufige Arten soll jetzt im Frühsommer besonders geachtet werden: Neben den Marienkäfern sind das Steinhummel, Florfliege, Hainschwebfliege, Tagpfauenauge, Lederwanze, Blutzikade und Admiral.

Erkennungshilfe

Beim Erkennen und näheren Kennenlernen hilft der NABU-Insektentrainer (www.insektentrainer.de). Und wenn man sich bei der Art nicht sicher ist, kann man auch einfach die Gruppe von Insekten angeben, zum Beispiel Schmetterling oder Käfer. Ein warmer, trockener und windstiller Tag ist zum Insektenzählen am besten geeignet. Eine Erkundungstour in die Insektenwelt ist schon auf kleinstem Raum möglich, etwa mit einem Blick in die Blumentöpfe auf dem Balkon.

Unverzichtbar fürs Ökosystem

Der NABU engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Insekten. Sie sind unverzichtbar für uns Menschen und die gesamte Natur. In unseren Ökosystemen tragen sie zur Vermehrung von Pflanzen sowie zur Fruchtbarkeit des Bodens bei. Studien zeigen, dass die Insekten in Deutschland deutlich zurückgehen. Über die Hälfte der 580 Wildbienenarten in Deutschland steht auf der Roten Liste. Fast ein Drittel ist vom Aussterben bedroht. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Ausräumung der Landschaft sind nur einige Gründe für den Insektenschwund.

Die Daten der Zählaktion Insektensommer werden in Zusammenarbeit mit der Plattform www.naturgucker.de erfasst und vom NABU ausgewertet. Der Insektensommer findet dieses Jahr zum dritten Mal statt. Im vergangenen Jahr beteiligten sich 16.300 Menschen mit über 6.300 Beobachtungen.

Insektenhotels bauen

Man kann aber auch noch mehr für die kleinen Lebewesen unternehmen als die reine Beobachtung. Im eigenen Garten oder auf dem Balkon kann man mit ein paar Tricks schnell einen wunderbaren neuen Lebensraum für Insekten schaffen.

Insektenhotels lassen sich laut NABU leicht selbst bauen. Bastler können Röhren mit einem Durchmesser von vier bis sechs Millimeter in Holzreste bohren. Etwa acht Zentimeter Tiefe empfiehlt der NABU für die Bohrung. Rundhölzer von Besen und Schaufelstielen eigenen sich zum Beispiel dazu. Außerdem lassen sich Holunderabschnitte verwenden. Das Mark müssen Bastler zuvor trockenen lassen. Auch Schilfrohrstängel oder Bambus eigenen sich als Insektenwohnung. Hier kann man einfach eine leere Dose nehmen und den Boden der Dose entfernen und dann die Halme in die Dose schieben bis diese gut gefüllt Schilf oder Bambus ist. Die Anleitung hierfür findet man im Internet bei der NABU in einem Youtube-Video erklärt. Wer keinen Garten hat, kann das Insektenhotel auch auf dem Balkon aufhängen. tw/pm/sp

© WochenPost 19.05.2020 15:36
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